WUT IST GUT ☀ ODER DOCH NICHT?

 

 

Zuerst einmal sind Ärger und Wut Gefühle, die in einem dann und wann mal so hochkommen und je nach Intensität und Anlass auch wieder verschwinden. Wir kennen das alle, so ein Ärger kann einem den Tag schon mal verderben, doch wenn wir darüber reden, den Ärger also rauslassen, dann vergeht er meistens. Man schließt seine Schlüsse aus dem Ärgernis und meistens hat es sich dann, außer es folgen Konsequenzen, die dem Anlass entsprechen. Die Wut setzt da noch ne Schippe drauf, denn sie hat doch mehr Dynamik als der Ärger. Wenn man beim Ärger noch drüber reden kann, so eine richtige Wut, kann einem dann schon die Worte versagen, sie erfasst einen ganz und gar, ja, manch mal weiß man sich dann gar nicht zu lassen. Nicht umsonst gibt es Redewendungen wie ‚dem schwillt der Kamm’ oder ‚der sieht rot’ für eine ‚unbändige’ Wut. So eine Wut, ist auch ein körperliches Gefühl und da benötigt es schon einiges an Kraft, diese in Griff zu bekommen. In solch einer Wut liegt eine Menge Aggressionspotenzial und die Gefahr der Eskalation ist groß. Sie kann sich in Zerstörungswut äußern, in Autoaggressivität und kann sich steigern, bis hin zum Amoklauf. Wut hat also eine ganz eigene Energie, die einen solchen Druck in einem auslöst, dass sie an Heftigkeit kaum zu übertreffen ist. Denn ob sich die Wut auf andere oder gegen sich selbst richtet, immer entsteht ein Schaden und oftmals ist dieser nicht wieder gut zu machen. Doch meistens ‚verraucht’ das innere Feuer der Wut wieder, wenn dies nicht geschieht, so ist professionelle durchaus ein gutes Ventil, denn eine solche Entwicklung durch Rauschmittel jeglicher Art zu unterdrücken, birgt eine ebenso große Gefahr in sich selbst.

„In der Wut verliert der Mensch seine Intelligenz.“  Dalai Lama

Ein Wüterich zu sein, hatte nie ein positives Image in unserer Gesellschaft, bis es zu einer Wortneuschöpfung kam, zum Wut-Bürger. Der so genannte Wutbürger hat ein durchaus positives Ansehen, er oder sie ist ein aufmerksamer Bürger, der sich demokratischer Mittel, wie der Demonstration, bedient und hat dem Wüterich als solches wenig gemein. So ein Wutbürger, gründet Bürgerinitiativen und beteiligt sich aktiv am gesellschaftlichen und politischen Leben. Alles in allem eine durchaus bejahende Person, so ein Wut-Bürger; doch würde es nicht völlig ausreichen, solch streitbaren Menschen als Bürger zu bezeichnen, ist das Wort Wut da auch wirklich gut angesiedelt? Natürlich treibt den Menschen ein Anliegen an, dass bestimmt auch wütend machen kann, doch in den allermeisten Fällen kann dieser seine Gefühle gut kanalisieren, denn seltenst eskaliert der so allgemein anerkannte Wut-Bürger. Wenn dieser friedliche, demokratische Protestler sein Anliegen öffentlich darstellt, warum müssen wir das so emotional mit der Wut untermauern? Zum einen etikettieren wir dem aufrechten Bürger eine Gefühlslage, die er oder sie gar nicht hat, denn er kann sein Anliegen ja durchaus rational begründen. Und zum anderen nehmen wir der Wut ihre eigene Dynamik, auch ihr werden wir so nicht gerecht. Natürlich verändern sich Inhalte von Worten innerhalb einer Gesellschaft und ihrer Zeit, das ist auch gut und richtig so, doch ist es auch korrekt dies mit der Wut zu tun, die nun mal in uns ihre Berechtigung hat? Dürfen wir sie klein reden?

"Jeder kann wütend werden, das ist einfach. Aber wütend auf den Richtigen zu sein, im richtigen Maß, zur richtigen Zeit, zum richtigen Zweck und auf die richtige Art, das ist schwer."  Aristoteles

 

Ärger, Wut, Zorn alles Gefühle, die in uns wohnen und mit denen wir lernen müssen umzugehen. Damit zu leben, heißt nicht, sie zu verdrängen, oder jeglichen Ärger runter zu schlucken, das ist weder gesund noch wird es etwas an den Fakten verändern, die uns ärgern. Aber sie in Ruhe zu analysieren und mit den zur Verfügung stehenden Mitteln dagegen anzugehen, nun das kann jeden Ärger schwinden lassen. Doch manchmal geht das nicht so im Leben, dann übermannt oder überfraut einen eine manchmal ohnmächtige Wut. Da ist es wichtig, diese hitzigen Gefühle zuerst einmal aus dem Körper zu bekommen, na, jeder hat da so seine Möglichkeiten, vom Brüllen im Keller über einen schweißtreibenden Dauerlauf, bis hin zum Verprügeln eines Kopfkissens, ist fast alles erlaubt, so lange wir nicht uns selbst und andere schädigen. Wenn wir dann die Gefühlsintensität im Griff haben, tja, dann können wir wieder rationaler an den Ursprung der Wut herangehen und uns aufmachen eine Veränderung zu erreichen. Natürlich ist das alles oftmals leichter gesagt als getan, doch sich darin zu üben ist doch eine Aufgabe die zu bewältigen ist und auch wenn es nicht immer gleich klappt, nun, das macht ja nichts, dann fangen wir halt noch einmal an und irgendwann können wir den Reichtum unserer Gefühle spüren und verlieren dabei nicht unser tolles Denkvermögen. Ein Versuch ist es immer wert, für dich, für mich, für jeden.

„Wer den Jähzorn besiegt, überwindet den stärksten Feind.“  Publius Syrus

Bild 1: Die Wut von Melek Baydar – Quelle: friedensatelier.de · Bild 2: Der Wüterich von BINA – Quelle: menschkunst.de · Bild 3: Die Gelassenheit -Quelle: bilder-der-kraft.de

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