Wer die Wahl hat, hat die Qual … oder so …

Wenn wieder einmal eine Wahl im Lande ansteht, so entsteht selten ein fröhliches Tosen der breiten Massen, das sie nun zum Entscheidungsträger werden dürfen, um ihr Recht als Wähler auszuüben; denn dies Recht wird wahrlich nicht jedem Erdenbürger zuteil. Den Souverän zu geben, nehmen auch nicht alle wahr, was äußerst bedauerlich ist, denn das Nichtwählen trägt auch zu einer Entscheidung bei, da wir in unserem Land das Verhältniswahlrecht haben, und somit auch der Nichtwähler, wenigstens numerisch, im Ergebnis erfasst wird. Das Recht auf eine freie und geheime Wahl, mit korrekter Auszählung, ist ein äußerst hohes Gut, das jeder Bürger in Anspruch nehmen sollte. Nun könnte so mancher einwenden, das er gar nicht wahlberechtigt ist, denn er lebt ja in einem anderen Bundesland, und somit hätte diese Wahl weniger mit ihm zu tun; nun, das ist zwar richtig, aber doch etwas kurz gesprungen, denn sollte es veränderte Mehrheiten im neu gewählten Landtag geben, hat das auch Einfluss auf die Bundespolitik, so in Hinsicht auf das Entscheidungsgremium des Bundesrates und damit auf die Gesetzgebung. Somit ist jede Wahl auch für jeden Bürger von Interesse, nicht nur für den, der zu Wahl geht. Die streitbare Emma Goldman sagte vor knapp 100 Jahren einmal: “If voting changed anything, they'd make it illegal.”  *  Dem könnte man zustimmen, wenn man an gewisse Lagerwahlkämpfe denkt und das etwas oberflächlicher sehen will, plakativ meinetwegen. Doch wenn man sich den Satz genau anschaut, so müssen gerade wir sagen, dass das so nicht ganz stimmt; denn in diesem Jahr jährt sich, hier in Deutschland, zum achtzigsten Mal die Wahl des Januars 1933, aus der dann ein gewisser Adolf Hitler als Reichskanzler hervor ging. Wir wissen alle, mehr oder weniger genau, welche Gräuel und Qualen nicht nur über die Menschen unseres Landes folgten. Denn nicht wie viele denken, ‚ergriff’ Hitler die Macht des Regierungschefs, sondern auf Grund des hohen Anteils der Wählerstimmen wurde er damals zum Kanzler Deutschlands. Natürlich spielten damals noch ein paar andere Faktoren eine Rolle, doch auf die will ich hier gar nicht eingehen; denn es geht um das wählen als solches, an Hand dieses unguten Beispiels kann man sehen, wie entscheidend die Stimmen der Wähler sein können, und welche immense Verantwortung der Wähler somit auch hat. Wieder könnten andere einwenden, dass eine Gefahr der Regierungsübernahme von Männern und Frauen mit brauner Gesinnung nicht zu befürchten ist, dem kann ich, zum Glück zustimmen, doch ändert das nichts daran, dass jede Wählerstimme mit Verantwortungsbewusstsein abzugeben ist. Wobei noch anzumerken wäre, dass auch im Deutschland 2013, eine braune, rassistische Gedankenwelt besteht, auch wenn sie das politische Parkett nicht beherrscht und hoffentlich nie beherrschen wird. Doch wenden wir uns dem demokratischen Spektrum zu und da wird mir doch jeder zustimmen, ganz gleich welcher Couleur des Parteienkarussells er angehört, dass ein jeder sein Wahlrecht wahrnehmen sollte.

Wenn sich auch so mancher mit dem Wählen und damit mit dem Entscheiden auch schwer tut, so begleitet es uns doch tagtäglich. Wir wählen unsere Kleidung, wählen das Essen aus und treffen jeden Tag diverse Entscheidungen, manchmal ohne es uns bewusst zumachen. Doch auch hier ist es oft die kleinste Entscheidung, die auf längere Sicht hin Wirkung zeigt. Essen wir ein wenig zu viel, dauert es umso länger, dies eine Kilo wieder los zu werden. Oder wir haben uns nicht entsprechend der Witterung gekleidet und Tage später ereilt uns eine Erkältung, so müssen wir auch mit dieser Entscheidung unsererseits umgehen. Ganz gleich welche Wahl wir treffen, auch in scheinbar weniger wichtigen Dingen, wir müssen mit den Konsequenzen leben. Ob wir das nun wollen oder nicht. Doch es macht auch das Leben spannend, wenn wir uns einmal bewusst werden, welche Vielfalt der Auswahl uns so zur Verfügung steht. Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute können wir unseren Lebensweg verändern; wenn wir denn die Kraft und den Mut dazu aufbringen; doch auch wenn wir es gar nicht machen wollen, weil wir mit den Gegebenheiten des Hier und Jetzt im Einklang sind, so ist es doch ein herrliches Gefühl zu wissen, das wir immer die Wahl haben. So trägt es durchaus dazu bei, unser Selbst-Bewusstsein zu stärken, wenn wir uns unserer Wahlmöglichkeit bewusst sind und wir so auch Verantwortung für unser Handeln übernehmen, denn das müssen wir, ob es uns gefällt oder nicht.

So wünsche ich jedem ein glückliches Händchen bei seiner Entscheidung, damit die Wahl nicht zur Qual wird; oder um es mit Hermann Hesse zu sagen: "Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden." 

* Würden Wahlen etwas verändern, wären sie verboten.

Bild1: Wahl -Quelle: google.com · Bild2: Entscheidung – Quelle: google.com

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