Wenn aus innerer Leere keine Lehre gezogen wird …

In einer Zeit der überfüllten Informationen, der verwirrenden Begrifflichkeiten und der Unübersichtlichkeit von Geschehnissen kann die innere Abwehr durchaus ein gesunder Mechanismus sein, doch eine Abkehr ins Private kann Gesellschaftlich auch eine Gefahr in sich bergen, denn man selbst überlässt anderen das Feld, ob das dann zum Nutzen der Gesellschaft oder der des eigenen ist, nun, das bleibt mal so dahingestellt. Doch es ist schwer, heutige komplexe Zusammenhänge zu erfassen und sie ins eigene Leben zu integrieren, da gibt es oft ‚einfachere’ Antworten, die einen schneller ‚beruhigen’, doch auf die Dauer muss man sich doch mit den schwierigeren Themen des alltäglichen Geschehens auseinandersetzen, denn sie passieren nicht im luftleeren Raum, sondern betreffen immer einen selbst, mal stärker, mal weniger stark. Durch diesen Dschungel aus Informationen und Meinungen ein eigenes Bild von seiner weiteren und dann auch näheren Umgebung zu entwickeln ist oftmals so einfach nicht, doch hinzu kommen all die Lasten des eigenen Leben und das kann dann häufig zu viel für den einzelnen sein. Denn das eigene Dasein, auch wenn man es abgekoppelt vom Großen Ganzen sieht, ist zeitweise eine Last, wenn es schlimmer kommt, ein Joch. Hier ist dann nicht zu werten, was die Person selbst als Last empfindet, denn manches ist objektiv durchaus eine Last im Alltag, manches eher subjektiv. Doch was sind wir für eine Gesellschaft, wenn wir Menschen erleben, die unter diesen Lasten brechen, ja, zerbrechen? Sind unsere offenen Hände nur noch zum Nehmen und nicht mehr zu Halten geschaffen? Oder sind wir selbst so beladen, dass es uns äußerst schwer fällt helfend unsere Hand zu reichen? Bedrücken uns Zukunftsängste oder anderes so sehr oder ist es eine weit verbreitete Ichbezogenheit, die uns ausschließlich zu Lippenbekenntnissen bewegt, zu mehr auch nicht?  Ich denke, dass es von allem ein wenig ist, und wir in einem Kreislauf sind, der uns zu versuchter ‚Perfektion’ zwingt, der wir äußerst selten gerecht werden können. Um einem beschwerlichen, hektischen oftmals getriebenen Alltag zu bestehen, müssen wir Dinge ausblenden um selbst zu bestehen, wo und wie auch immer. Dies kann zu Leerstellen in uns selbst führen, zuerst ganz unbewusst, dann breiten sie sich aus und irgendwann werden sie zur Gewohnheit. Wir übersehen diese Leerstellen und das gar nicht mal bewusst. Doch solch ‚schwarze Löcher’ der Innerlichkeit haben die Eigenschaft sich auszubreiten, langsam, sehr langsam. Den Glücklichen unter uns wird eine solche Situation bewusst, sie können dem entgegenwirken, doch den Unglücklicheren gibt die Umwelt genug Dinge in die Hand, um diese ‚Löcher’ zuzuschütten, sie abdecken ohne sie aufzudecken.

Wir sind natürlich nicht dazu da, um alle Menschen gesunden zu lassen, nein, an einer solchen Bürde würde auch der Stärkste zerbrechen, aber wir können mit Emphatie und offenen Augen für die Menschen, die uns begegnen, da sein. Mit einem Lächeln, einem offenen Ohr oder mit Überlegungen. Das stärkt nicht nur unser Gegenüber, sondern auch uns selbst, denn in solchen Begegnungen können auch wir auf uns schauen und unsere ganz eigenen Lehren ziehen. Denn welch tiefe Täler auch immer wir selbst oder mit anderen im Leben durchlaufen müssen, ziehen wir daraus kaum eine Erkenntnis, so ist uns eine weitere ‚Talfahrt’ gewiss. "Das Leiden ist so lange nötig, bis du erkennst, dass es unnötig ist." Sagt Eckhart Tolle. Denn was auch immer einen zurzeit schwächt, die Lebenserfahrung zeigt es meisten, geht man konstruktiv mit der jeweiligen Situation um, mobilisiert man seine inneren Kräfte, und ja, sie sind durchaus vorhanden, dann schrumpft die innere Leere und man kann diese wieder auffüllen. Solche Prozesse dauern meistens eine Zeit lang, manchmal sind sie auch beschwerlich, doch oftmals muss man sie gar nicht allein beschreiten, denn ein oder zwei Mitstreiter finden sich, wenn man offen bleibt, fast immer. Momente der Ausweglosigkeit sind häufig genauso temporär wie dies überschäumenden Glücks.

"Es ist nötig, dass wir den Schwerpunkt des Lebens in unser Inneres verlegen."  Jakob Wassermann … Denn ziehen wir Lehren aus Tagen der Leere, dann werden wir stärker, mutiger und selbstbewusster. Tja, und weil wir wissen, dass das Leben ein auf und ab ist, und keine gradlinige Strecke, so können wir Mut entwickeln den nächsten Hügel zu erklimmen. Nun, und laufen wir dann wieder in ebeneren Gefilden,  dann können auch wir anderen die Hand reichen, stark und voller Emphatie.

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