Von Gut- & Bös- sowie anderen Menschen

 

 

In unseren Sprachschatz hat sich der Begriff des Gutmenschen eingeschlichen und dieser wird, je nach Sichtweise als Prädikat beziehungsweise als Abwertung betrachtet. Im Januar dieses Jahres kam das Wort ‚Gutmenschen’ bei der Wahl zum ‚Unwort’ des Jahres auf den respektablen zweiten Platz. Silber Medaille. Applaus. Da es zu den so genannten ‚Unworten’ gerechnet wird, sollte man doch erst einmal schauen, wie dieser Begriff denn definiert wird. So wird Personen oder Personengruppen mit betont moralischer Grundhaltung ein fehlgeleitetes beziehungsweise zweifelhaftes Verhalten unterstellt, doch hätten Gutmenschen gute Absichten, möchten bestimmte Probleme lösen oder die Welt möglichst verbessern, was natürlich äußerst subjektiv ist. Das Verhalten oder auch die verwendeten Mittel gelten aber in den Augen derer, die den Begriff Gutmensch negativ verwenden, als zweifelhaft oder unnütz. Nun ist m.E. eine solche Definition äußerst schwammig, doch übrig bleibt, dass die so genannten Gutmenschen sich moralisierend über andere erheben und dies kann, in welchem Fall auch immer, keiner Sache dienlich sein. Natürlich ist es wichtig für sich selbst, daran zu arbeiten, ein guter Mensch zu sein und zu bleiben, doch immer im Bewusstsein, dass wir nun einmal nicht nur gut sind. Das mag bedauerlich erscheinen, ist aber realistisch und wenn wir das Miteinander genauer betrachten, dann wäre es ja auch etwas langweilig, wenn wir nur und ausschließlich ‚gut’ wären, obwohl die Vorstellung natürlich so seinen Reiz hätte. Doch wenn es das Wort ‚Gutmensch’ es nun geschafft hat, in unserem Sprachgebrauch seinen Platz zu finden, so können wir uns umhören so viel wie wir wollen, das Wort ‚Bösmensch’, also das Gegenteil, nun, dies Wort hat sich nicht etabliert. Zum einen denke ich, dass das Wort ‚Bösmensch’ für einen bösen oder schlechten Menschen einen viel zu ‚freundlichen’ Klang hat und es deshalb auch nicht schaffen wird in die ‚Hitliste’ neuer Worte, ob nun positiv oder negativ gewertet, aufgenommen zu werden. Zum anderen müssen wir also schlicht und ergreifend davon ausgehen, dass es nicht zu jedem Wort eine gegenteilige Entsprechung geben wird.

Doch verweilen wir nicht bei Begriffen, sondern schauen uns die Menschen genauer an, die so ‚etikettiert’ werden. Denn von wahrhaft fairem Umgang kann es nicht zeugen, wenn Menschen aufgrund gewisser Verhaltensweisen pauschal in Schubladen gesteckt werden. Versuchen wir also offen und möglichst ohne Vorbehalte hinzuschauen. Wenn sich jemand für eine gute Sache einsetzt, ist das per se ein hehres und äußerst positives Anliegen und wenn diese Person dann noch Mitstreiter findet, so kann auch daran nicht kritisiert werden. Ob die Angelegenheit, für die sich diese Gruppe einsetzt wirklich ‚gut’ ist, nun das will ich hier gar nicht beleuchten, gehen wir also davon einfach mal aus. Doch wann kippt so eine gut gemeinte Angelegenheit? Was tut so eine Gruppe, ausgestattet mit den besten Vorsätzen, um so genannte ‚Gutmenschen’ zu werden? Ich denke entscheidend dabei ist, dass diese Leute dann nicht argumentativ für ihre Sache streiten, nein, sie entwickeln ein Gruppenbild nach dem Motto: „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns.“ So entziehen sich diese Menschen zum einen der Diskussion und zum anderen diffamieren sie die Menschen, die außerhalb ihres Meinungsspektrums sind. Es generiert sich zu einer ‚Schwarz-Weiß-Malerei’, die Grauzonen des Miteinanders nicht einbeziehen. Wenn sich aber dann auch noch moralische Begrifflichkeiten mit den Argumentationen verbinden, so entstehen Abwertungen anderer und die gute Sache, die einmal am Anfang stand, diskreditiert sich nun von selbst. Unterm Strich schadet man so sich selbst und auch seinem Anliegen. So ist es an jedem einzelnen, sich einer solchen Dynamik zu entziehen um offen zu bleiben für sein jeweiliges Gegenüber und um andere Argumente möglichst sachlich abzuwägen.

"Der edle Mensch hilft seinen Mitmenschen, das Gute in ihnen zur Reife zu bringen, nicht aber das Schlechte. Der niedrig Gesinnte tut das Gegenteil." Konfuzius

 

Ich gehe zwar davon aus, dass es das Wort ‚Bösmensch’ nicht in den Sprachgebrauch schafft, doch die Frage bleibt bestehen, und zwar seit Menschengedenken, ob es das Böse im Menschen gibt? Aus meiner Sicht ist diese Frage mit einem klaren ‚JA’ zu beantworten, denn wenn Menschen andere treten, misshandeln, drangsalieren oder nötigen, dann, ja, dann entscheiden sie sich selbst zu bösem Tun. Wenn solche Menschen sogar andere töten, so stellen sie sich außerhalb jeder Gesellschaft, die von Mitmenschlichkeit geprägt sein sollte. Das Böse besteht, zweifellos. Nur ist das ‚Böse’ keine eigenständige Dynamik, die außerhalb von uns selbst zum Einsatz kommt, sondern sie ist ein Teil von uns selbst. Es liegt an uns selbst und unserer Eigenverantwortung, wie viel Böses wir in uns zulassen oder auch nicht. Sich selbst immer mal wieder genauer zu betrachten und sein Handeln und Denken auf den Prüfstand zu stellen, stellt nicht nur die eigene Befindlichkeit auf feste Füße, nein, es hat auch einen Wert in sich für unsere Umgebung.

 

"Ein bisschen Güte von Mensch zu Mensch ist besser als alle Liebe zur Menschheit."  Richard Dehmel

Lassen wir uns nicht von modischen Begrifflichkeiten Etikette anhängen sondern leben wir einen achtsamen Umgang mit uns selbst und anderen, so ist nicht nur uns selbst am besten geholfen, sondern es tut auch unserer Umgebung gut.

Bleiben wir also Mensch, in seinem ureigensten Sinn und im humannischen Gedanken und seiner Vielfalt.

Bild 1: Weisse Margeritte – Quelle: basteldichblue.com · Bild 2: Graue Margeritte – Quelle: windfind.com · Bild 3: schwarze Margeritte – Quelle: mercateo.com · Bild 4: bunte Margeritten – Quelle: starkl.at

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.