Von der Gier • Von mir, dir und vor allen Dingen der anderen

Gier als solches ist ein uraltes Verlangen im Menschen, doch in fiskalpolitischen Zeiten wie diesen fallen die Menschen, gleich in welchem Land, so zusagen aus ‚allen Wolken’ wenn sie von weniger redlichen Transaktionen lesen, deren tiefe Wurzeln im Trieb des Verlangens von Menschen liegen. Wir schütteln den Kopf über Millionäre die eine weitere benötigen und empfinden die Milliardensummen, die uns so über die Medien kolportiert werden, als wenig greifbar. Wir schimpfen über Hedgefonds, Spekulanten und andere, bezeichnen sie unter anderen als ‚Heuschrecken’ oder noch schlimmeres, doch meinen wir letztendlich nichts anderes als die Gier. Doch ‚befällt’ diese Gier nur manche Berufsgruppen oder ist sie nicht auch in uns Durchschnittsbürger verankert? Was ist mit der Frau, die sich ein weiteres Paar Schuhe kauft, wohl wissend, dass sie durchaus noch andere Paare Schuhe zu hause im Schrank hat und auch ihr nur zwei Füße zur Verfügung stehen? Oder der junge Mann, der  noch ne Kappe ersteht, obwohl auch er bereits duzende von Kappen sein eigen nennt und halt nur einen Kopf besitzt um diesen zu bedecken? Ist nicht auch das eine Form der Gier, des Verlangens nach mehr? Nun vielleicht ist das Handeln einzelner hier nicht so wirtschaftspolitisch entscheidend, beziehungsweise einschneidend, doch auch hier muss vom Trieb der Gier ausgegangen werden. Natürlich ist es ein großer Unterschied, ob ich Bevölkerungsmassen schädige oder vielleicht nur mein eigenes Konto, doch das soll gar nicht das Thema sein, denn das ist ja die Gier als solches. Doch das eine zu verteufeln und das andere lächelnd hinzunehmen, ist gesellschaftlich, ethisch schwer hinzunehmen. Sind wir doch die einzige Spezies auf Erden, die mit diesem Trieb der Gier ausgestattet ist, denn wenn sich einige Tierarten Wintervorräte lagern, so nicht um im Überfluss zu leben, sondern um zu überleben. Triebsteuerungen bei Tieren verfügen so zusagen über ein inneres Stoppschild, dies scheint uns Menschen versagt zu sein. Wir sind dazu da unsere Triebe rational zu steuern und uns auch das eine oder andere zu versagen, was uns gar nicht so leicht fällt. Denken wir nur an das eine Stück Schokolade, dass wir uns erlauben wollen, und wie schwer es ganz vielen von uns fällt, nicht doch nach dem zweiten zu greifen. Doch Gier zeigt sich nicht nur im Besitzstreben und dessen Anhäufung Materiellem, sondern auch in der Machtgier. Dieses Verlangen nach Macht können wir in dieser Welt an vielen Orten beobachten, ob in Wirtschaft oder Politik, wobei sie hier für uns meistens am deutlichsten hervor tritt. Die Gier zur Macht zu erlangen ist in vielen verankert und diese Begierde wird meistens nicht kleiner wenn das Ziel erreicht ist, manchmal geht die Gier dann so weit, dass sie diktatorische Züge annimmt. Beispiele der Geschichte und dem Hier und Jetzt gäbe es mehr als genug, doch ist diese Machtgier nur auf eine bestimmte Klasse zu reduzieren, oder tragen auch diese ‚Otto Normalverbraucher’ in sich? Leider müssen wir auch das mit einem eindeutigen ‚Ja’ beantworten, denn wie kämen Mobbing an Arbeitsplätzen oder auf Schulhöfen zustande, wenn die Gier nach Macht nicht stärker wäre als die Angst vor Ohn-Machtsgefühlen. Ob wir es Verlangen, Raffgier oder Habsucht nennen, die Gier lebt in uns. "Die Gier ist immer das Ergebnis einer inneren Leere", sagt Erich Fromm. Spüren wir doch nach, ob dies so ist. Zu benennen, dass Gier in uns wohnt, ist ja noch lange kein Eingeständnis, eines unguten Charakters, ganz im Gegenteil. Wissen wir um diesen inneren Trieb, können wir auch lernen, mit ihm verantwortungsbewusst umzugehen, ja wir können diese Streben uns selbst und anderen nutzbar machen. Denn auch die Neu-Gier kann uns bereichern, wenn wir sie nicht dazu benutzen, hinter Hecken anderen nachzuschnüffeln. Ebenso erweitern kann uns die Wiss-Begier, denn durch einen erweiterten Wissenstand versetzen wir uns in die Lage Vorurteile abzubauen und, oder die Welt ein wenig besser zu verstehen. Erst wenn wir die Gier als solches auch in uns lokalisieren, sie annehmen und mit ihr umzugehen lernen, versetzt uns diese Triebfeder in die Lage größere Sprünge unseres Seins zu leisten. Wenn wir dann auch noch unsere Gier mit Verantwortung und Mitgefühl paaren, kann ganz großes daraus werden. Nehmen wir doch das das Bild des Zitats von Nazım Hikmet in uns auf:  "Leben wie ein Baum, einzeln und frei, doch brüderlich wie ein Wald, das ist unsere Sehnsucht." Der erste Schritt wäre schon in der Selbstanalyse getan, diese muss ja nicht lautstark erfolgen, es reicht wenn wir das im ‚stillen Kämmerlein’ für uns selbst tun, wenn wir dann uns selbst etwas lauter unsere ‚gierigen’ Anteile eingestehen, ist schon viel erreicht. Fangen wir an, denn zu spät ist es nie. Tja, und wenn sie uns doch einmal wieder überkommt, die Gier, dann denken wir doch so das eine oder andere Mal an den Ausspruch von Marion Zimmer Bradley: "Bedenke gut, was du dir wünschst, es könnte wahr werden."

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