Vom Fußball und anderen Wichtigkeiten …

 

Nun hat er uns wieder, der Bann in den ‚König’ Fußball uns alle zieht, ob wir wollen oder nicht. Fahnen flattern an Autos oder wenn dezenter sein soll, wird der Rückspiegel ‚eingekleidet’, aber auch Fenster, Balkone oder Gartenzäune bleiben nicht verschont von nationalen Banner. Wo man auch herumschaut, welcher Nation man angehört, nun das bleibt einem in diesen Tagen wahrlich nicht verborgen. Zu dem erhalten viele sonst gängige Produkte der Konsumwelt noch den Nimbus der Sportlichkeit, so dass die Werbung für das Fußballereignis sich schier überschlägt. Sollte man also diese Episode übersehen wollen, so müsste man völlig blind und taub durch Gegend wandeln, denn man wird, völlig ohne Erbarmen, zur Wahrnehmung ‚gezwungen’. Doch auch das Fernsehen lässt uns nicht uninformiert, ob wir nun den entsprechenden Kanal der Fußballübertragung einschalten oder nicht, denn wir bekommen Reportagen von den Austragungsorten, mal kritisch, mal weniger. Werden informiert über Staatsform und Lebensverhältnisse der Menschen vor Ort, tja, und wenn es dann keine Werbeunterbrechung gibt, in der uns ganz bestimmt ein Mitglied des Nationalkaders etwas verkaufen will, dann könnte man sich darauf auch intensiv einlassen. Wer aber weniger vom Sport wissen will und auch Informationen nicht weiter verfolgen möchte, die Klatschpresse hat noch genug Themen rund um den Ball. Nun, mit anderen Worten, keiner ob Groß oder Klein, entkommt diesem europäischen Erlebnis der vornehmlich sportlichen Art. "Einige Leute halten Fußball für einen Kampf um Leben und Tod. Ich mag diese Einstellung nicht. Ich versichere Ihnen, dass es viel ernster ist!" sagte der ehemalige schottische Fußballspieler Bill Shankly. Ja, man könnte ihm beipflichten, wenn man erfährt wie Fußballfans, oder solche, die sich dafür halten, auf Fans anderer Mannschaften losgehen. Wie oftmals menschenverachtend sie miteinander umgehen, fast einem Kriegszustand ähnlich. Die Inhalte ihrer Gesänge und Parolen haben meist wenig mit dem Gedanken des Sports zu tun und dem Ansehen ihrer eignen Nation schaden sie, obwohl gerade sie sich als die wahren Vertreter eben dieser Nation fühlen. Hier ist es völlig egal, welcher Nation diese angeblichen Fans sind, sie beflügeln ein Lagerdenken, dass viele in ihren eigenen Ländern für überwunden halten, doch auf Grund ihrer Lautstärke und ihrer Gewaltbereitschaft schieben sie sich ins Bewusstsein und sich abgrenzender Nationalismus tritt in den Vordergrund. Man könnte diese als ‚kleine’ Gruppe abtun und auf tausende friedliche Menschen verweisen, wenn es nicht die Sprache wäre, die einen aufhorchen lässt, ja lassen muss. Da ziehen friedliche Stadionsbesucher mit ‚Schlachtgesängen’ durch die Straßen, da wird gewettet wie hoch der Gegner ‚geschlagen’ wird, da wird über ‚Angriff’ und ‚Verteidigung’ diskutiert, ja, und immer wieder wird ‚geschossen’, zwar mit dem Ball, aber immerhin. Nicht, dass hier eine neue Sprache eingeführt werden soll, oder den vorhandenen Begriffen der Garaus gemacht werden soll, nein, ganz und gar nicht, doch einen Moment zu verweilen und sich der Begrifflichkeit bewusst zu werden, das wäre bereits ein Schritt, ganz für sich selbst. Denn wenn wir uns bewusst sind, welch schmaler Grad es für einige von der martialischen Sprache zur Tat ist, dann würden wir vielleicht damit etwas sorgsamer umgehen, gerade auch in den Medien aber auch untereinander. Bei all der Aufgeregtheit und allem Willen zum Sieg, darf doch nicht vergessen werden, dass es Fußball-Spiele sind und dass jeder, ob Gewinner oder Verlierer sein, zu diesem Zeitpunkt, Bestes gegeben hat.

"Der Sport ist keine heile Welt, aber eine Welt, die heilen kann." Gerhard Uhlenbruck 

Wir feiern ein Europäisches Fußballfest bei dem der Bessere, manchmal auch der Glücklichere gewinnt. Hier spielen die besten ihres Landes und wir sollten uns freuen, dass diese sich begegnen dürfen, genauso wie ihre angereisten Unterstützer. Wir sollten vor dem Drumherum nicht die Augen verschließen, ob es die Verhältnisse in anderen Ländern ist oder die ausufernde Kommerzialisierung, doch bei aller Begeisterung und allem mitfiebern mit der ‚eigenen’ Mannschaft, darf die sportliche Fairness nicht vergessen werden. Ich wünsche allen eine fröhliche Begegnung mit ‚König’ Fußball, ob mit Freunden, auf Plätzen oder in den Stadien und allen beteiligten Spielern den ihn gebührenden Erfolg.

Bild 1: Ein fliegender Fußball – Quelle: wandtatoo-design.de · Bild 2: Fußballspieler in Aktion – Quelle: cotado.de · Bild 3: König Fußball – Quelle: leipzig-veranstaltung.de

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