Nachhaltig, erderwärmende Gutmenschen …

Ich fühle mich im wahrsten Sinne des Wortes erschlagen von all den ‚Schlagworten’, die, die in Nachrichten, Berichten oder den sozialen Netzwerken so ‚umhertoben’. Da fallen mir spontan Nachhaltigkeit, Gutmenschen, Euro-Rettung oder Erderwärmung oder, shitstormoder, oder … ein. Immer wieder tauchen sie auf, verschwinden dann mal für eine kurze Zeit und sind dann wieder präsent, immer wieder im neuen Gewand einer Meldung; doch bleiben sie, trotz der oft überreichlich mit Fakten angefüllten Meldung, fad und inhaltsleer. Sie, die Worte, werden mir um die Ohren gehauen, sollen mich in die Pflicht nehmen; doch wenn ich mich umschaue, so scheinen sie kaum ein gesellschaftliches Echo zu finden, denn ändern tut sich nichts oder wenig, vielleicht so wenig, dass ich es nicht bemerke. Genauso ergeht es mir mit all den ‚Skandalen’, die hochgekocht werden, ihren Siedepunkt erreichen und dann wie Wasserdampf verkochen, doch grundlegende Analysen, sich daraus ergebende Konsequenzen, nun auch die sehe ich kaum, bis gar nicht. Vielleicht liegt es an mir, dass ich die Meldungen zu ernst nehme, um mich dann zu wundern, dass sich wahre ‚Massen’ erregen; doch so schnell wie solch Erregung kommt, geht sie auch wieder. Langsam gewöhne ich mir an, bei solchen ‚Gewittern’ in Deckung zu gehen, abzuwarten, um dann unbeschadet und wenig zerzaust da raus zukommen. Dann gibt es eine kurze Pause, in der man das alles reflektieren könnte; doch weit gefehlt, der nächste Skandal  steht schon in den Startlöchern, um unser Erfassungsvermögen zu erproben. So ganz zwischendurch soll der Alltag gemeistert werden und die Freizeit soll erquicklich sein und bei all dem darf beim Einzelnen das soziale Engagement nicht fehlen, auch Politikverdrossenheit sollte nicht aufkommen und um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen, muss man allem Anschein nach, auch zu allem und jedem noch eine Meinung haben. Ja, hallo; geht’s noch ???? Dann kommen noch Freunde und Bekannte dazu, die fragen ‚hast du schon das neueste Buch von dem gelesen…?’, oder ‚wie fandest du denn den Film…?’, oder auch ‚dies Theaterstück musst du dir unbedingt anschauen’. Dass ich dabei nur noch freundlich lächeln kann und innerlich mit den Augen rolle, scheint beim gegenüber etwas vorbeizugehen; denn das nächste Thema lauert schon, und man wird ganz erstaunt angeschaut, wenn man verneint nichts über den tragischen Unfall an der eigenen ‚Ecke’ bemerkt zu haben oder nicht weiß wie die In Deckung gehenResultate der Bundesliga vom letzten Wochenende waren. Natürlich gibt es noch weitaus mehr Themen, in denen man beziehungsweise frau informiert, ja, sachkundig sein sollte und das bei voller Arbeiteinsatzfähigkeit und einem schier endlosen Optimismus, dass die entscheidenden Kräfte dieses Landes ihrer Verantwortung gerecht werden; nun, und schaffen sie das nicht, na, dann haben wir doch wieder mal ´nen Skandal. Mir kommt es vor wie im ‚Circus Maximus’, nur heute klicken wir in den in den sozialen Medien und zeigen unseren Daumen hoch oder runter, halt etwas anders in der Öffentlichkeit als damals im alten Rom. Der Skandal statt des Gladiatorenkampfes; Brot und Spiele fürs Publikum. So sind wir beschäftigt und die vermeintlich Mächtigen verrichten ihr Tun, ganz elegant und ungestört, an uns vorbei. Natürlich gibt es auch darüber Meldungen, doch scheinen die nicht ‚laut’, nicht ‚spektakulär’ genug zu sein um noch breitere Beachtung zu finden; spricht man sie doch an, so gibt es die einen, die, nicht etwa naiv, sondern ehrlich erstaunt fragen: „ja, wo hast du denn das her?“ Oder andere die meinen: „Du nun wieder, kramst mal wieder irgendetwas aus.“ Oh, ich will nicht behaupten, dass andere ihre Prioritäten falsch setzen, nein, das stünde mir gar nicht zu; auch lass ich mich gern eines besseren belehren, wenn ich zu einer Schieflage der Betrachtung neige. Ich will hier gar nichts und niemanden werten, sondern nur einmal aufzeigen, wie ich ganz persönlich den Ist-Zustand betrachte; andere erhellende Betrachtungsweisen sind da wahrlich herzlich willkommen. Ich glaube auch nicht, dass hinter allem ‚irgendjemand’ steckt, der die ‚Aufreger’ so in Umlauf bringt; zu Verschwörungstheorien neige ich da weitaus weniger und mag diese auch nicht sonderlich. Auch sehne ich mich nicht nach vergangenen Zeiten, in denen es bekanntlich nicht besser war; nur möchte in die ‚Kirche im Dorf’ belassen, denn dort gehört sie hin; mit anderen Worten, ich würde so gern vielen Themen, das laute, die Aufregung nehmen, um dann ruhig und sachlich Gespraechzu analysieren und dann, auch gern emotional, zu diskutieren. Doch auch hier fallen mir große Mankos auf, wir haben keine gute Streitkultur entwickelt, die uns bei der Sache bleiben lässt, um nicht persönlich zu werden. Auch scheint es heute so, dass die Diskussion, die Auseinandersetzung wenig beliebt ist, heute gibt man beziehungweise frau 'Statements' ab, möglichst kurz gefasst im Stil einer SMS oder mundgerecht für eine Twitternachricht. Hinzu kommt, dass die Offenheit des Nachdenkens über Anregungen des ‚politischen Gegners’ per se vom Tisch gewischt werden, übrigens eine wirklich alte Tradition in unserem Land, ganz egal welcher politischen Richtung die Menschen sich zuneigen, Vorschläge oder Gedankengänge der 'anderen Seite' werden per se abgelehnt. Dass sich die gleichen Leute über Franktionszwänge von Abgeorneten aufregen, nun das verwundert doch sehr.
Ja, und hier beginnt für mich die leise Phase, die Phase des Bedauerns darüber, wessen wir so verlustig gehen: dem ergebnisoffenen Gespräch. Denn dies hat für mich wirklich einen Wert, sowohl für mich ganz persönlich wie auch gesellschaftlich. Jeder Zeitgeist führt auch positives mit sich, jedenfalls meistens, auch wenn es nicht immer gleich erkannt wird; bestimmt ist es heute nicht anders. Doch vielleicht gilt es auch Anteile zu retten, die wir ja auch beherrschen, das Zuhören, das Nachdenken und das Reden; und um all dem die Krone aufzusetzen: Das sich Zeit nehmen. All das tut nicht weh, kostet kein Geld und kann uns doch so sehr bereichern, lassen wir es uns nicht nehmen, durch wirbelsturmartige Meldungen, bei denen wir seltenst in den ruhigen Punkt der Mitte gelangen um den Kern zu erkennen.  
Bild 1: shitstorm – Quelle: diller.at · Bild 2: In Deckung gehen – Quelle: dradio-de · Bild 3: Gespräch – Quelle: schule.de

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