Nachhal(l)tigkeit • Denn als ein Echo kann jeder gelten …

  

Letztens hatte ich ein interessantes Gespräch in dem wir auf das Thema „Nachhaltigkeit“ kamen. Mein Gegenüber wurde etwas emotionaler, man kennt das, wenn Menschen, die  innerlich bereits eine Meinung zu einem Thema haben, sie versuchen nicht nur mit Worten, sondern auch mit Gestik und Mimik, stark zu überzeugen. Dieses gute Gespräch, das sich zur anregenden Diskussion entwickelte, machte mich doch nachdenklich.   „Die Gemeinsamkeit aller Nachhaltigkeitsdefinitionen ist der Erhalt eines Systems bzw. bestimmter Charakteristika eines Systems, sei es die Produktionskapazität des sozialen Systems oder des lebenserhaltenden ökologischen Systems. Es soll also immer etwas bewahrt werden zum Wohl der zukünftigen Generationen.“  Bernd Klauer Nach dieser Definition ist Nachhaltigkeit also ein immer währender Prozess. Ein Prozess, der in der Wirtschaft dazu auffordert immer wieder zu optimieren. Natürlich im Interesse der Wirtschaftlichkeit, was auch durchaus verständlich ist, doch sind solche Optimierungsprozesse auch gut für die Menschen, die innerhalb dieses Wirtschaftskreislaufs tätig sind? Sich gegen solche Entwicklungen aufzulehnen ist schwierig und verlangt Kraft. Etwas ganz anderes ist es, wenn es um die ökologische Fragen geht, hier kann sich der Mensch oftmals in den Kreislauf integrieren, mit der ihm eigenen Geschwindigkeit, sowohl kognitiv, als auch emotional. Wobei anzumerken ist, dass nicht jede ökologische Nachhaltigkeit dem Menschen und der Umwelt zu gleichen Teilen zu Gute kommt. Im ursprünglichen Wortsinn und im Sprachgebrauch entstammt das Wort aus dem Wortstamm, Nach und Haltigkeit, etwas „hält“ lange, noch „nach“ dem es gebaut oder es in Bewegung gesetzt wurde. Ein Haus aus Stein, das lange besteht, ist vereinfacht ausgedrückt also nachhaltig, ein Haus aus Pappe, das jedes Jahr der Wind weg weht, hingegen nicht.

Bedeutet Nach-Halten nicht auch sich zu beschweren, in dem man etwas hält? Bleibe ich beim o.g. Haus, so kann seine Nachhaltigkeit schon zur Last werden. Ob es nun den handwerklichen Erhalt bedeutet, oder die finanzielle Belastung. Nachhalten ist also auch immer eine „Belastung“, ganz gleich wie sie ein jeder annimmt. Kann also Nachhaltigkeit auf so vielen Gebieten wie sie uns heute angeboten wird, eine gesellschaftliche Über-Lastung werden? Wäre die Be-Lastung auf die Dauer für den einzelnen zu viel, oder setzt hier der Gewöhnungsprozess ein? Davon abzugrenzen ist das Wort Beständigkeit, das sich mehr auf nicht aktive Systeme bezieht.  

In der Begrifflichkeit des Bestands hört man gleich den abgeschlossenen Prozess. Dieser ist schwerer zu revidieren, denn in Beständigkeit kann man nicht nur Vertrauen aufbauen, sondern auch Gewohnheit. Werden diese Elemente für die Menschen erschüttert, kommt es zeitweise zur Gegenwehr. Wir erleben es häufig bei einigen Großprojekten hier in Deutschland, aber auch in Europa und darüber hinaus, wie auf Bestand gepocht wird. Die Gewohnheit zu erschüttern um dem Bestand Neues hinzuzufügen, ist nicht immer ein leichtes Unterfangen und muss vermittelt werden. Hier sind weder die Masse, noch der Einzelne leicht zu überzeugen. Übrigens, auch dann nicht, wenn die Nachhaltigkeit als Argument ins Feld geführt, obwohl diese nun das Gegenteil von Beständigkeit ist, wie wir nun wissen. Beständigkeit ist weniger diskutabel, doch das ist nur vordergründig, denn auch das Beständige unterliegt der gesellschaftlichen Entwicklung und Verantwortung. Doch muss diese ein jeder annehmen? Oder kann man sich dieser schneller entledigen?

Beide, die Nachhaltigkeit und auch die Beständigkeit bedingen Verantwortung. Ob nun im Privaten oder in der Gesellschaft, keiner ist ausgenommen, sich dieser Verpflichtung zu stellen.

 

Aber noch eine Randbemerkung:

 

Die Wortschöpfung Nachhalltigkeit wäre bedenkenswert, denn ein Echo, aus welcher Richtung es auch immer kommt, könnte zum Nachdenken aus Routinen führen und sich in Bewegung setzen. Hier könnten Nachhaltigkeit und Beständigkeit nicht im Gegensatz, sondern gemeinsam, je nach Themenfeld, stehen und sich gegenseitig befruchten.

 

Foto Wikipedia

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