Eine Frage (nach) der Ehre …

Tja, in letzter Zeit wird viel über Ehre gesprochen und geschrieben, doch so manchmal denke ich, was ist das eigentlich, die Ehre? Wir kennen Aussprüche wie: ‚Er/Sie hat Ehre im Leib’ – oder auch nicht. Auch kennen wir Zeilen wie: ‚Ehre deinen Vater und deine Mutter’. Dann gibt es noch Begriffe, die so umherfliegen wie ‚Soldatenehre’; ‚G´ttesehre’ aber auch ‚Ganovenehre’ oder ‚Ehrenmord’. Auch die Literatur beschäftigte sich mit dem Ehrbegriff und auch in Filmen wird dieser behandelt. Jeder verbindet mit dem Wort Ehre etwas, doch so ganz klar und eindeutig ist der Begriff nicht, denn wenn man viele Menschen dazu befragt, dann kommen auch verschiedene Antworten. Doch was verstehen wir unter Ehre, denn so eine Vorstellung verändert sich ja im gesellschaftlichen Konsens. Zu manchen Zeiten wurde man zum Duell zitiert, wenn sich jemand in seiner Ehre angegriffen fühlte, auch vom salutieren und knicksen als Ehrenbezeichnung war früher die Rede. Ganze Stammesfehden begründeten sich auf dem Ehrbegriff, ja, und dann gibt es noch die Ehre der Frau, die sich im Laufe der Zeit zwar sehr gewandelt hat, aber sich meistens auf die Körperlichkeit eben dieser bezog. So können wir nicht unbedingt von einem statischen Wortsinn ausgehen, sondern müssen uns fragen, was bedeutet es uns heute, wenn wir von Ehre sprechen? „Was ist Ehre ohne Verdienst? Und was kann man gerechtes Verdienst nennen, wenn nicht das, was einen Menschen sowohl gut als groß macht?“  Daniel Defoe Ehre mit Achtungswürdigkeit zu definieren, hieße letztendlich, dass einem jeden Ehre gebührt. Doch dann könnte ja auch Ehre mit Würde gleichgesetzt werden, doch wie es so schön in unserem Grundgesetz heißt: ‚Die Würde des Menschen ist unantastbar’ – also nicht die Ehre. Somit ist die Würde einem jedem eigen, die Ehre aber erarbeitet sich der einzelne und diese wird ihm durch die Gruppe, die Familie oder die Gesellschaft als solches verliehen. Ehre, Achtung, Respekt alles Begriffe, die ähnliches beschreiben. Wird die Ehre einem also anerkannt, so kann sie natürlich auch von Fall zu Fall aberkannt werden. Eine Würdigung beziehungsweise Ehrung erfolgt also nach Taten, Verdiensten des einzelnen. Wobei dieser sich eine solche Reputation durch sein Handeln erworben hat. Wenn also einem solchen eine Ehre zuteil wird, dann hat er oder sie auch über einen langen Zeitraum, ein positives Wirken an den Tag gelegt. Ein solcher ‚Verdienst’ hat per se nichts mit pekuniären Einkünften zu tun, sondern mit einem Handeln, dass die ganze Person betrifft. Zu ehrende Menschen werden also durch eine Gruppierung hoch geachtet, wenn ihr Sinnen und Trachten dieser oder anderer Gruppen innerhalb der Gesellschaft Lob und Respekt abnötigte. Würdigungen solcher Art gibt es viele und von einem Blumenstrauß, zu Urkunden bis hin zu Orden ist da fast alles drin, manchmal sind auch Geldmittel damit verbunden, doch liegt auf ihnen kein Hauptaugenmerk. 

"Wir haben die Verantwortung für unser Versagen, aber nicht die Ehre für unsere Leistung."  Dag Hammarskjöld Noch in den frühen Jahren der Bundesrepublik konnte einem verurteilen Verbrecher die bürgerlichen Ehrenrechte aberkannt werden, ihm war dadurch das aktive wie auch passive Wahlrecht genommen; dies gibt es heute, zum Glück, nicht mehr. Doch haben sich andere Elemente in die Gesellschaft eingeschlichen, die ehrenabschneidend, also verunglimpfend sind. Da gibt es Mobbing an Schulen oder Arbeitsplätzen. Aber auch Medien können dazu beitragen, sich am so genannten Rufmord zu beteiligen. Solche Tendenzen sind zeitweise besorgniserregend, denn hier geht es dann oftmals gar nicht mehr um die Reputation, das Ansehen eines einzelnen, nein, häufig wird diesem Menschen die Würde genommen, sie verlieren ihr Gesicht. Sich selbst daran zu beteiligen, hat selten etwas mit Achtung vor dem anderen zu tun. Aber natürlich kann man auch seine Ehre für sich selbst ‚verspielen’, wenn man sich nicht ehrenvoll verhält. Genauso, wie bei den zu ehrenden Personen beschrieben, urteilen auch hier Gruppen der verschiedensten Arten darüber, was ehrloses Verhalten ist. Auch hier sind die Wertmaßstäbe immer seiner Zeit angepasst. "Die Ehre ist, objektiv, die Meinung anderer von unserem Wert und subjektiv, unsere Furcht vor dieser Meinung." Arthur Schopenhauer Zu einem Ruf zu gelangen, der zur Ehre wird, nun das hieße sich gesellschaftlich, auf welchem Gebiet auch immer, zu engagieren. Eine solch lebendige Gesellschaft wie die unsrige, mit allen guten und auch weniger  guten Anteilen, benötigt ein solches Engagement. Hier ist jeder einzelne aufgerufen, seinen kleinen Anteil zubringen. Sei es in der Familie, der Nachbarschaft, den Gemeinden oder in anderen gesellschaftlichen Kreisen. Denn warten wir nicht darauf, dass andere etwas tun, fangen wir doch selbst damit an. Sie muss ja nicht riesengroß sein, unsere Aktion. Aber etwas in Gang zu bringen, einer Angelegenheit ‚das Laufen’ beizubringen und eventuell andere zu animieren mitzumachen, das kann ein durchaus befriedigendes Erleben für einen selbst sein. Ob man dafür jemals ‚geehrt’ wird, nun das werden die Zeit und die Menschen drum herum entscheiden, doch ist das letztendlich nicht unbedingt entscheidend, entscheidend ist unser Wirken als solches, unsere Mitmenschlichkeit, unsere Emphatie.

Gehen wir mit offenen Augen durch die Welt und wir werden unseren Weg finden, auf jeden Fall ein Pfad der Ehre für uns und andere. 

Bild 1:  Eine Frage der Ehre – Quelle: welt.de · Bild 2: Ehre & Kampf – Quelle: sein.de · Bild 3: Filmplakat "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" – Quelle: follow-me-now.de · Bild 4: Helfen – Quelle: adveniat.de

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