Ein Versprechen – Eine komplexe Angelegenheit

Wenn der Papa seinem kleinen Kind verspricht, abends eine „Gute-Nacht-Geschichte“ vorzulesen, dann verlässt sich das Kind darauf. Felsenfest. Vergisst Papa dann dies Versprechen, so ist das Kind traurig und verstört. Passiert so etwas öfter, sind die Worte des Vaters nicht glaubwürdig für das Kind, und somit Schall und Rauch. Da dieser Vater also weiß, dass es um seine Glaubwürdigkeit geht, so wird er bemüht sein, sein Versprechen zu halten, auch wenn es sich dann um eine sehr kurze Geschichte handelt, er liest vor. So lernen bereits kleine Kinder, dass ein Versprechen einen hohen Stellenwert hat. Ist das bei uns Erwachsenen soviel anders? Nein. Ein Versprechen ist eine Absichtserklärung, die wir, je nach Gegebenheit, ernst bis sehr ernst nehmen. Es ist eine Zusage, die wir für verbindlich halten. Ein Wert in sich, denn Versprechen sind oft an die Glaubwürdigkeit der Person gekoppelt, die das Verspechen abgibt. Denn eine gängige Theorie lautet: Menschen halten sich an Abmachungen, weil sie die Erwartungen anderer nicht enttäuschen wollen. Bei einem Versprechen legt man sich als Person mit auf die Waagschale der Werteskala. "Wer leichthin verspricht, hält selten Wort." Laotze  

Wenn wir in unserem Wertesystem so angelegt sind, wieso ist dann der Umgang mit Versprechen so leicht, obwohl wir doch wissen, dass unsere Glaubwürdigkeit leidet? Wir geben Treueversprechen vor dem Altar ab und vielen ist es wenig wert. Man gibt sein Wort, man verbürgt sich und doch kann man meistens gut weiterleben, wenn man sich selbst nicht daran hält. Selbst bei einem Eid vor Gericht, kann sich das Gericht nicht völlig sicher sein, dass die beeidete Aussage richtig ist, obwohl Meineid unter Strafe steht. Auch das Ehrenwort, gern von Politikern benutzt, ist schon oft in Misskredit gezogen worden. Trotz der darauf folgenden Beschädigung der eigenen Person, liegen einige gebrochene Versprechungen am Wegesrand des Lebens. Wie viele, nun das liegt an jedem selbst. Doch wie steht es um denjenigen, dem etwas versprochen wurde? Ist dieser leichtgläubig oder steht der Angelegenheit blauäugig gegenüber? Ist er zu unkritisch und somit selbst, an einer eventuellen Enttäuschung, „schuld“. Nun, im Moment des Versprechens, hört das Gegenüber nicht nur das Versprechen selbst, sondern sieht die ganze Persönlichkeit seines Gegenübers. Das Versprechen ist also nicht von der Person, die es verspricht, zu isolieren. "Ogni promessa è debito." Lat. Sprichwort ( Jedes Versprechen ist eine Verpflichtung)  

Die Enttäuschung über ein nicht gehaltenes Versprechen ist oft groß. Denn der Mensch fühlt sich getäuscht, sein Vertrauensgebilde gerät ins wanken. Reingelegt oder sich hintergangen zu fühlen, liegt oft schmerzlich auf der Seele. Dabei geht es bei der Ent-täuschung manchmal nicht mehr um das Versprechen selbst, sondern um die Person, die das Versprechen abgegeben hat. Durch diese fühlt man sich in die Irre geführt. In wieweit solche Verletzungen durch Kommunikation zu beheben sind, liegt zum einen an der Tiefe der Verletzungen und zum anderen an der Wahrhaftigkeit der handelnden Personen. Narben bleiben immer zurück. In einer Gesellschaft, deren gemeinsamer Wertekanon immer schwammiger und beliebiger wird, bleibt eventuell die Verlässlichkeit auf der Strecke. Wir scheitern nicht an tagespolitischen, kontroversen Themen, nicht an Arm oder Reich, auch nicht an einer viel schnellen und klomplexen Welt. Nein, unser scheitern könnte im fehlenden Miteinander liegen – und das, das liegt an jedem selbst.  

Alles Reden ist sinnlos, wenn das Vertrauen fehlt.  Franz Kafka    Bewahren wir uns den Respekt vor uns selbst und den Anderen, bleiben wir uns selbst treu, so sind wir vertrauenswürdig. Gehen wir achtsam mit uns um, so werden wir es auch mit dem Gegenüber können. Besinnen wir uns auf unsere eigenen Werte, wir müssen nicht mit Fingern auf andere zeigen, denn wir strahlen unsere eigene Wahrhaftigkeit aus, und geben sie so weiter. Lasst uns im wertvollen Miteinander leben, ich versuch es, versprochen.    

Bild: google Thema Vertrauen 

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