Ein Mann will nach oben

 
 
 
Der Stachel des Holocaust
Von Eldad Beck, Berlin
 
Es begann als sehr unschuldig Korrespondenz online.
 
Eines Tages, vor etwa sechs Monaten bekam Rena Jacob aus Wertheim, einer Stadt im südlichen Deutschland, eine Freundschaftsanfrage auf Facebook, von einem Mann, den sie vorher nicht kannte. Frau Jacob, sie ist Anfang sechzig und in vielen Fragen im Zusammenhang mit NS-Vergangenheit hier in Deutschland engagiert. Sie nahm sich die Zeit, um die Anfrage des Rainer Höß, der Enkel von Rudolf Höß (Kommandant und Gründer des Vernichtungslager Auschwitz) zu überprüfen. "Ich sah erst nach, was er so veröffentlicht auf seiner Pinnwand, hier auf Facebook", sagte Rena.
 
"Dann schickte er mir eine Nachricht, die von seinen Aktivitäten gegen die extreme Rechte erzählte. Dies beeindruckte mich, allein schon wegen seiner familiären Vergangenheit und ich war neugierig, weil er so viel Engagement zeigte. Ich bestätigte seine Facebookanfrage und wir korrespondierten mehrere Monate, nicht intensiv, nur hin und wieder. "
 
Rena Jacob hat eine recht komplizierte Lebensgeschichte. Sie ist in Folge einer verbotenen Beziehung, innerhalb der eigenen Familie, geboren. Ihr Großvater, ein sehr engagiertes Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, war in der Zeit des Nationalsozialismus, politisch verfolgt, hatte verschiedene Konzentrationslager innerhalb von elf Jahren überlebt, er war auch ihr Vater. Dass dies unter den ‚Teppich’ gekehrt wurde, versteht sich von selbst. Nach dem Tod ihrer Mutter, die an Tuberkulose starb, wuchs Rena J. bei den Großeltern auf und sie erlitt jahrelangen sexuellen Missbrauch durch den Großvater bzw. Vater. Als ihr bewusst wurde, dass seine Handlungen Unrecht waren, bedrohte sie ihn mit einem Messer, so wagte er sich nicht mehr sich ihr zu nähern. "Ich war einmal ein Opfer und ich werde niemals wieder ein Opfer werden", erklärt Rena. Aus diesem Grund und wegen ihrer Erfahrungen mit Rainer Höß ist sie fest entschlossen, den Enkel des Kommandanten von Auschwitz in seinem Handeln zu stoppen.
 
Rena Jacob lernte im Laufe der Jahre schreckliche Dinge nicht zu verstecken, sondern sie eher öffentlich zu machen. Das beinhaltet sowohl ihr Kindheitstrauma, als auch das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte. Dahingehend wurde sie durch ihre Großeltern erzogen. Denn für sie geht es nicht um Schuld, sondern um gesellschaftliche Verantwortung im Hier und Jetzt.       
 
Als der Enkel des Kommandanten von Auschwitz mitbekam, dass Rena J. einen Blog starten wollte, der sich mit Werten der Gesellschaft und Kultur der Erinnerung befassen würde, überredete er sie zu einer gemeinsame Webseite, über die dritten Generation nach der Zeit des Zweiten Weltkriegs und des Holocaust. "Er sprach eindringlich und schien ihm wichtig zu sein, etwas zu bewirken. Er erzählte mir von seiner leidvollen Kindheit als ‚Enkel’ und seinem Engagement gegen ‚Rechts’ auch verwies auf alle möglichen Arten von Interviews, mit verschiedenen Medien auf der ganzen Welt und ‚seinem’ Film. Er stellte sich als VIP dar. Doch das beeindruckte mich weniger, weitaus mehr interessierte mich sein Engagement und auch seine Kontakte. Diese stellen sich später als Schall und Rauch dar.“
 
Die Gemeinsame Webseite ‚Wider des Vergessens’, musste laut Rainer H. am 1. Mai d. J., dem Vorabend des Holocaust Memorial Day, fertig gestellt werden, denn auf Kanal 2 des israelischen Fernsehens lief der Dokumentarfilm von Chanoch Zeevi ‚hitlers children’, mit dem Protagonisten Rainer Höß. Dieser Film, spielt für den Enkel des Auschwitzkommandanten, eine zentrale Rolle für seine Pläne für eine bessere Zukunft. Als Rainer Höß vor zwei Jahren Yad Vashem "persönliche“ Gegenstände seines Großvaters zu verkaufen versuchte, lag es auf der Hand, dass seine finanzielle Situation sehr schwierig war, denn nach Erkenntnissen von "Yediot Ahronot", war er zuvor  im Gefängnis und musste hohe Geldstrafen wegen Urkundenfälschung, Betrug, Diebstahl, und körperlicher Gewalt bezahlen. Frühere Strafen, so scheint es, hatten (leider) keine abschreckende Wirkung auf Höß (46). Er  führte seine kriminellen Tätigkeiten wieder und wieder aus, doch diesmal unter Ausnutzung seines familiären Hintergrunds und die Erinnerung an den Holocaust, die er somit pervertierte.
 
Kurz nachdem die neuen Webseite ins Netz ging, teilte er seine Pläne Frau Jacob hinsichtlich der Einrichtung einer Stiftung mit. Höß lud Rena J., ihren Sohn David J. (41) sowie ihren Lebenspartner Norbert N. (57) zu sich nach hause ein. Er lebt bei seiner (geschiedenen) Frau in der Nähe von Calw in Baden-Württemberg, dort zeichnete er den Angereisten einen detaillierten Plan zur Errichtung eben dieser Stiftung auf. Unter anderem, so erklärte er ihnen, sollte die Stiftung Reisen für Schüler und Studenten in ehemalige Vernichtungslager finanzieren. Rena J., ihr Sohn und ihr Lebensgefährte wandten ein, dass es besser wäre dahingehend einen Verein zu gründen, denn für die Gründung einer Stiftung benötigt man doch ein relativ großes anfängliches Kapital. Zur Beruhigung der Bedenken der drei, verwies Höß auf Bankunterlagen, die ein Kapital von knapp 10.000.000 €  (Zehn Millionen) auswiesen, der sich auf den "Nachlass von Rudolf Höß"  bezog – also jene persönlichen Effekte, die er an Yad Vashem zu verkaufen versuchte. Rainer Höß fügte hinzu, dass es kein Problem für ihn sei, sogar 50.000.000 € von arabischen Bekannten für diese Stiftung erhalten.
 
Dies erschien Rena Jacob und ihren Begleitern doch etwas zu phantastisch und es regte sich der erste Verdacht, dass diese Angelegenheit wenig real ist. Doch der Kontoauszug, den Höß Rena Jacob zusandte und wie oben erwähnt ein Guthaben von 9, 75 Millionen Euro auswies, erschien erst einmal korrekt, denn es wurde eine namhafte Stuttgarter Notariatskanzlei, die das Vermögen treuhänderisch verwaltet, genannt.
 
Bei Nachfrage in eben diesem Notariat wurde erklärt: "Es gibt es kein solches Dokument in den Unterlagen unserer Kanzlei und wir haben auch keinen Klienten mit Namen Rainer Höß.“ Da der Notar eine Anzeige erstatten wollte, handelt es sich hier um ein schwebendes Verfahren über das an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden kann, "Yediot Ahronot" behält sich vor, darüber zu gegebener Zeit zu berichten.
 
"Mir schickte er das Dokument als Anhang an eine Mail, innerhalb von zwei Minuten", sagt Rena. "Mit anderen Worten, wurde das Dokument im Voraus vorbereitet. Ich beschloss, mit der Beziehung zu brechen, bevor er mich um Geld bitten könnte, um die Stiftung angeblich zum Laufen zu bringen. Doch nicht das scheinbar vorsätzlich gefälschte Dokument bestärkte mich, die Verbindung abzubrechen, sondern die fortlaufenden Lügen seinerseits. Seit wir wissen, war dies Dokument gefälscht ist und es alles darauf hindeutet, dass der Mann in kriminelle Handlungen verwickelt war und scheinbar ist, sind wir froh die Angelegenheit so beendet zu haben. Doch letztendlich gaben seine Lügen den entscheidenden Ausschlag."
 
Zur gleichen Zeit stellt sich heraus, dass Höß keinen Rechtsanspruch auf den Nachlass seines Großvaters hat, denn im Gegensatz zu seinen Behauptungen, steht fest, dass der gesamte Nachlass des Rudolf Höß, der Mutter von Rainer Höß, Irene, gesetzlich zusteht. Auch die Darstellung im Film „hitlers children“ ist irreführend, wenn er den Nachlass seines Großvaters dem ‚Instituts für Zeitgeschichte’ (IFZ München) überreicht, denn diese Täuschung wurde erst später entdeckt und von der wahren Erbin, der Mutter von Rainer Höß, korrigiert.
 
"Heute, ist das Konvolut frei zugänglich für Studenten und Historiker und das ist eine erfreuliche Entwicklung", sagte ein Institutsmitarbeiter zu Yedioth Ahronoth’. Wobei zu bemerken ist, dass einer der Archivmitarbeiter anscheinend engen Kontakt mit Rainer Höß hat.
 
Eine weitere Deutsche, wurde von Höß durch 'Facebook' am Holocaust-Gedenktag kontaktiert. Sie erinnert sich: "Anfangs klang er sehr sympathisch. Wir sprachen vor allem über seinen Großvater. Sehr überrascht war ich einerseits, von jemandem aus der Familie Höß zu hören, da mein Kenntnisstand dahingehend war, dass sich niemand aus dieser Familie öffentlich äußert. Dabei zeigt Herr Höß ein geringes Interesse am eigentlichen Holocaust. Andererseits zeigte er großes Interesse, sich an Vorträgen in Schulen zu beteiligen. Später begann er, über sein Privatleben zu sprechen. An einigen Stellen hatte ich das Gefühl, dass er sehr übertreibt. Er erfand mehrere solcher Geschichte wie: Der Präsident der Bundesrepublik Deutschland wird ihm das Bundesverdienstkreuz auf Empfehlung der jüdischen Gemeinde zu Berlin verleihen. Ferner erzählte er, dass er eingeladen wurde, Gruppen im ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz führen, wobei ich wusste, dass die Gedenkstätte Auschwitz ausschließlich  professionell ausgebildete Mitarbeiter beschäftigt.“ Die Frau weiter: “Er kokettiert mit seinem familiären Hintergrund und erzählt unwahre Geschichten. Er behauptet, dass über ihn ein Buch geschrieben wird und der Verlag von einer Auflage von 25 Millionen Exemplare ausgeht.“
 
Des Weiteren stand er via Facebook mit einem amerikanischen Juden in Kontakt, dessen Eltern den Holocaust überlebten, diesen bat Höß ihn mit wohlhabenden Juden in den USA in Verbindung zu bringen. Als dahingehend nichts kam, beschimpfe er ihn,  einen Nachkomme von Überlebenden des Holocaust, mit antisemitischen Schimpfworten.
 
Die deutsche Journalistin, Gerda-Marie Schoenfeld, die seit vielen Jahren für das Magazin 'STERN' schrieb und zusammen mit Rainer Höß ein Buch über seine Familie schreiben wollte, wobei sie kürzlich beschloss das Projekt aufzugeben, nachdem es ihr klar wurde, dass er ein zwanghafter Lügner ist. "Der Mann ist ein Narzisst, ein Mann, der sich selbst ein imaginäres Leben phantasiert und nur Lügen, Lügen und wiederum Lügen von sich gibt", sagt Schoenfeld.Ergänzend fügt sie hinzu: "Aber nicht nur da liegt sein Problem, bei einem gemeinsamen Besuch in Israel, saßen wir in einem Restaurant am See Genezareth. Am Nebentisch saß ein älteres Ehepaar, die Deutsch sprachen, Überlebende des Nazi-Terrors,  der Ehemann floh aus Berlin vor dem Krieg, die Frau überlebte in Bergen-Belsen. Beide sprachen darüber, was sie durchgemacht haben. Doch anstatt zuzuhören, hörte Rainer Höß, der Enkel des Kommandanten von Auschwitz, nicht auf mit einer streunenden Katze, die unter dem Tisch war, zu spielen. Dieser Mann, der mir immer sagte, er wolle Überlebende treffen, war nicht im Geringsten daran interessiert diesen Menschen zu zuhören." Nachdem sich Marie Schönfeld etwas beruhigte, berichtete sie weiter: "Die Situation verschlimmerte sich später noch mehr. Wir besuchten auf Einladung eines Lehrers eine Schule, deren Schüler Rainer Höß im Rahmen der Filmaufnahmen für den Film „hitlers children“ in Auschwitz kennen gelernt hatten, anwesend waren auch  zwei Überlebende von Auschwitz, die über ihre Qualen im Lager erzählten. Rainer Höß behielt während der ganzen Zeit seinen Kaugummi kauend im Mund, währenddessen die beiden über die Folter, Hunger und Tod in Auschwitz sprachen. Die Verachtung, die in dieser Respektlosigkeit lag, hat mich nachhaltig erschüttert.“ Weiter erzählt Frau Schönfeld: “Währendunsere Bekanntschaft überraschte er mich jedes Mal wieder mit erstaunlichen Informationen, so erzählte er: Die jüdische Bevölkerung hegt den Wunsch, ihm Rainer Höß ihm den Friedenspreis des Landes Israel zu verleihen. Ferner berichtete er, dass Elie Wiesel ihn, den Enkel des Kommandanten von Auschwitz, in Auschwitz zu sehen und kennen zu lernen wünscht. Auf die Spitze trieb er es, in dem er erzählte, dass die Villa von Rudolf Höß in Auschwitz ihm gehört; ja und er behauptete, er habe Dokumente, die dies bewiesen. Aber, fügte er hinzu, dass die polnische Familie, die heute dort lebt, auch weiterhin dort ihr zu hause haben darf. Rainer Höß baut mit den Namen der Familie eine schreckliche neuen ‚imaginäre’ Identität. Er präsentiert sich als ein Held, bekämpft Neo-Nazis und ist auf der ganzen Welt respektiert, eine krankhafte Fantasie."
 
 
Seit kurzem begann Höß, anderen Menschen, die mit ihm in Verbindung sind, zu verbreiten, dass er in der Villa der Familie Höß in Auschwitz ein Museum aufbauen zu wollen, ein Museum über das ruhige, friedliche und extravagante Leben der Familie Höß in Sichtweite der Verbrennungsöfen …..
 
Herr Höß kolportiert, dass die Leitung des Auschwitz-Museums von seiner Idee begeistert ist, auf Nachfrage teilte der Pressesprecher Pawel Sawicki "Yediot Ahronot“ mit: „Ich weiß nichts über eine solche Idee. Wir haben andere Prioritäten und werden keine Villa kaufen, weder hier in Auschwitz noch sonst wo, auch werden wir kein anderweitiges Museum etablieren.“
 
Wir wären froh nicht mehr über diesen Mann berichten zu müssen, doch leider zeigen seine Aktivitäten, dass er sich über die öffentliche Meinung hinwegsetzt.
übersetzt v. Rena Jacob Foto 1 v. Eldad Beck · Foto 2 v. Claudi Simon
 
Dokumentar-Film Festival Leipzig: Am 18.10. d.J. kann man Herrn Höß in dem Film „hitler´s children“ von Chanoch Ze’evi als ‚schauspielernden’ Enkel des Massenmörders und Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß sehen. In der Vorankündigung wird er zwar nicht genannt, doch dafür nimmt er in dem Film einen breiten Raum ein: Allein ihre Familiennamen erwecken Grauen: Himmler, Frank, Göring und viele andere. In diesem Film geht es um die Nachkommen der mächtigsten Figuren des Naziregimes: Männer und Frauen, denen ein Erbe hinterlassen wurde, das sie für immer mit einem der größten Verbrechen der Geschichte in Verbindung bringt. Wie ist das für sie, einen Namen zu tragen, der stets Gedanken an Mord und Genozid weckt? Wie werden sie damit fertig, die Kinder von … zu sein – wortwörtlich und nicht nur metaphorisch? Wir sind dabei, wenn sie einander anklagend in die Augen sehen, ihr Herz ausschütten und übereinkommen, dass es an der Zeit ist, endlich wieder nach vorn zu schauen. 

1. Warum schweigt die deutsche Presse?
2. Warum zeichnet der Dokumentarfilmer diesen Mann so menschenfreundlich?
3. Warum fühlt sich niemand verantwortlich diesen Nazi-Enkel zu stoppen?
4. Warum schreiben ernsthafte, ehemalige Journalisten ein Buch für ihn?    
         Ich hätte da noch viele Fragen …. nur keine Antworten …. manchmal frage ich mich: wo leben wir denn ….
 

4 thoughts on “Ein Mann will nach oben

    1. Just did this trip in the spring of 2006 by car. The roads are good. Take the road south of Krakow thrugoh Zakopane, pretty town, mountains are nice to see. Some of the smaller Slovak towns are worth stopping at. Bratislava is a ok place to see for a day or two. Budapest is very nice. Roads and getting around is easy if you have a GPS (highly recommend it). ATM’s everywhere so getting cash as you need it is no problem, hotels and gas stations all take credit cards.

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