Die Guten Vorsätze und der innere Schweinehund

 

 

Das neue Jahr ist noch ganz jung und schon ist es beladen mit den besten Vorsätzen, die man sich so ausdenken kann. So ein allgemeingültiges Datum verführt geradezu fast jeden, sich neu zu besinnen und auch damit, sich einzugestehen, dass etwas geändert werden muss. So kommt es zu den besten Vorsätzen wie: das Rauch zu lassen, eine Diät einzuhalten, pünktlicher zu werden, regelmäßig frisch zu kochen – oder alles wegzubügeln, öfter mit den Kindern zu spielen, häufiger ein Buch zu lesen, den Keller aufzuräumen, auch mal ‚Nein’ zu sagen, ordentlicher zu sein oder alle Behördengänge zügig zu erledigen. Die Liste könnte hier endlos weitergehen, denn ein jeder hat so seine Schwachstelle und die soll dann ab einem bestimmten Datum glatt gebügelt werden. All die guten Vorsätze sind auch ernst gemeint und werden auch im Brustton der Überzeugung, mal laut, mal weniger laut, geäußert.

 

Doch dann kommt er, ganz klein, ganz still und leise schleicht er sich heran; der innere Schweinehund.

 

 

Zuerst ist es nur eine kleine, oft auch ehrlich gemeinte Ausrede: „Na, heute ist ja Feiertag, also fang ich morgen an … .“ Und schwups, kaum wahrgenommen, hat man ihm etwas Raum gegeben, macht er sich breit und breiter, dieser innere Schweinehund. Denn wenn´s morgen nicht beginnt, mit all den guten Vorsätzen, weil ja vielleicht noch Urlaub ist, na, dann fängt man aber ganz bestimmt am Beginn der Woche an. Na prima, nun hat er sich doch schon tatsächlich einen netten Kuschelplatz gesucht, der allseits bekannte Schweinehund. Wenn dann, so ab Mitte des Monats, der Alltag einen wieder fest im Griff hat, so sind auch die guten Vorsätze dem Horizont näher gerückt und der vertraute kleine, große Schweinehund hat seinen Stammplatz verteidigt und rückt und rührt sich so einfach nicht von der Stelle. Tja, und wenn dann ein neuer Monat beginnt, dann sind die besten Vorsätze oft nur noch Nebelschwaden und der innere Schweinehund hat es sich häuslich eingerichtet, so, dass man ihn kaum mehr bemerkt.

 

"Gute Vorsätze sind bloße Schecks, die man auf eine Bank ausstellt, bei der man kein Konto hat." Oscar Wilde   

 

 

Nun stünde einem recht wenig entgegen, wenn man seine Vorsätze mitten in der Woche in irgendeinem Monat in die Tat umsetzen würde, denn an sich hatte ja das Vorhaben, als inneres Anliegen, durchaus eine größere Bedeutung. Auch sind solche Vorsätze meistens nicht zwingend an ein bestimmtes Datum gebunden, also spräche nicht dagegen, einen weiteren Anlauf zu nehmen. Doch da hebt er ganz gemächlich den Kopf, der innere Schweinehund, aufmerksam schaut er umher, nimmt Witterung auf, denn mit einem erneuten Anlauf, wäre ja sein bequemer Platz durchaus gefährdet. Nun, das wird er sich nicht gefallenlassen, deshalb ist er auf der hut. Gehen wir also davon aus, dass es nicht der Alltag, der Stress, die geringe Zeit oder einfach das Wetter ist, dass uns hindert unsere Vorsätze in die Tat umzusetzen; nein, wenn wir uns eingestehen, dass es unser ureigner innerer Schweinehund ist, der uns da selbst im Weg steht, ist das schon genug Selbsterkenntnis. Dass das eine eher betrübliche Erkenntnis ist, nun, das ist bedauerlich;  denn nun können wir niemand anders die „Schuld“ in die Schuhe schieben, wenn etwas nicht klappt, aber wir könnten nun lernen mit diesem Anteil von uns umzugehen. Wir könnten uns mit ihm bekannt machen, ja wir könnten uns mit ihm anfreunden. Denn ihn einfach davon zujagen, nun, das klappt ganz bestimmt nicht, denn er gehört zu uns, ist ein Teil von uns. Auch wenn wir das so gar nicht mögen, doch die Erkenntnis als solches bringt uns schon sehr viel weiter. Träumen wir uns das Aussehen unseres Schweinehundes, denn ein jeder sieht halt anders aus, ganz individuell, so wie halt jeder von uns ist. Also virtualisieren wir ihn uns. Machen wir ihn uns zum Freund.

 

„Wir haben nur die Wahl zwischen unerträglichen Wahrheiten und heilsamen Mogeleien.“ Emile M. Cioran

 

 

Haben wir solch eine Freundschaft geschlossen, so können wir unseren real existierenden inneren Schweinehund durchaus bitten, sich in uns selbst ein anderes Plätzchen zu finden, eins, dass genauso gemütlich ist, aber halt nicht so hemmend. Tja, und als guter, neuer Freund lässt er sich vielleicht gar nicht lang bitten. Nun wenn es dann zur Umsetzung von Vorhaben und Vorsätzen jeglicher Art geht, so könnten wir unseren Freund, den Schweinehund, nach draußen schicken, zum Spielen oder spazieren gehen, nun, und dann steht der Verwirklichung all unserer Selbstüberwindung und unserer Eigenmotivation nichts im Weg. Ja, das Beste daran ist, wir gewinnen doppelt: Zum einen schaffen wir etwas für uns selbst, Schritt für Schritt; und zum anderen gewinnen wir einen neuen Freund in uns selbst, unseren geliebten Schweinehund.

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