DER VEREIN exil.arte in Wien

 
Viele Künstler mussten ihre Heimat verlassen, nur weil sie jüdischer Herkunft waren. Die Komponisten, die es nicht schafften ins Exil zu gehen, wurden in den Vernichtungslagern ermordet.

Diesen kulturellen Verlust der Vergessenheit zu entreißen ist das Fundament der Arbeit des Vereins exil.arte.

Der Verein versteht sich als Clearingstelle (Contact Point) für die Koordination aller mit der Thematik des Exils befassten Institutionen, Organisationen und Personen. Er hat seinen Sitz in Österreich und erstreckt seine Tätigkeit auf die Koordination und Organisation von künstlerischen und wissenschaftlichen Projekten und Veranstaltungen bezüglich der im gesamten Bereich der Kunst, insbesondere der Musik, des Musiktheaters und des Films von den Nationalsozialisten Vertriebener, Verfemter und Ermordeter.

Die weltweit in Archiven, Bibliotheken, Universitäten und Privatsammlungen verstreuten Nachlässe werden laufend in der vorliegenden Datenbank eingegeben und auf dieser Website präsentiert.

 
In Schwerin arbeitet der Pianist Volker Ahmels an einem ähnlichen Projekt:

 
Der Pianist Volker Ahmels blättert in seinen Schätzen. «Schauen Sie, eine Widmung von Erwin Schulhoff in diesem Notenbuch mit einer Komposition von ihm: "Für Frank Osborn zum Knacken, Prag, November 1929". Oder hier, Noten von Sándor Jemnitz und von Hans Gál. Diese Komponisten kennt man heute gar nicht mehr.»
 
Es sind jüdische Tonkünstler, die von den Nazis verfolgt, ins Exil getrieben oder umgebracht wurden. Ahmels sammelt ihre Werke seit 15 Jahren.
Der Direktor des Schweriner Konservatoriums will ihre Musik dem Vergessen entreißen und wieder auf die Konzertpodien bringen.

«Das ist ganz oft große Musik», sagt Ahmels. «Viele der verfolgten und ermordeten Komponisten waren sehr innovative Künstler.» Neben der berühmten Wiener Schule mit Arnold Schönberg an der Spitze – er floh vor den Nazis in die USA – habe es in den 1920er und frühen 30er Jahren viele andere spannende Strömungen gegeben. «Zum Beispiel Erich Zeisl, er war ein romantischer Erneuerer. Oder Leo Smit. Über ihn gibt es nur sehr wenig, er wurde in Sobibór getötet. Oder Erwin Schulhoff, er hat den Jazz in die Klassik gebracht. Oder Paul Ben-Haim, in München geboren und nach Palästina emigriert. Er ist einer der Begründer der modernen israelischen Musik, er nahm orientalische Einflüsse in seine klassischen Kompositionen auf.»
 
Volker Ahmels' Interesse an den verfolgten jüdischen Komponisten entzündete sich an einem Projekt für die Musikschüler des Schweriner Konservatoriums. Mitte der 90er Jahre suchte der Direktor nach einer Kinderoper, die gemeinsam aufgeführt werden sollte. Da fiel ihm «Brundibár» des Tschechen Hans Krása in die Hände. Kinder im Ghetto Theresienstadt hatten sie 1942 aufgeführt. Mit der Inszenierung gastierte das Konservatorium in Israel. Ahmels hatte dort hoch emotionale Begegnungen mit Überlebenden des Holocaust und bekam eine Ahnung von dem, was da an Musiktradition verschüttet lag. Er begann zu sammeln. Rund 500 Kompositionen waren es bis Herbst dieses Jahres, jetzt sind es schon 700.
 
Anita Lasker-Wallfisch, Cellistin, Mitbegründerin des English Chamber Orchestra und Ehrendoktorin der Universität Cambridge, übergab Ahmels im November den Noten-Nachlass ihres 1993 gestorbenen Mannes, des Pianisten Peter Wallfisch. Das Konvolut umfasst insgesamt rund 800 Werke, darunter etwa 200 Kompositionen der verfemten Musik und historische Kostbarkeiten wie das Notenbuch mit der Widmung Erwin Schulhoffs. «Ich hatte das Gefühl, in Schwerin wird es geehrt. Das sind ziemlich spezielle Sachen», sagt Anita Lasker-Wallfisch über ihre Entscheidung. Die 86-Jährige lebt in London. Sie spricht fließend deutsch, ihr Geburtsort ist Breslau. Sie überlebte Auschwitz.
 
Ahmels treibt ein moralischer Anspruch an… weiter zum Artikel
 
Foto1: Zeisl – Quelle: sfr.fr · Foto2: Ahmels – Quelle: wz.newsline.de

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