Das Leben der (ganz) anderen

Ob wir in Hochglanzmagazinen blättern oder entsprechende Fernsehsendungen über die so genannten VIPs sehen, uns wird ein ‚Leben’ dargereicht, das der ‚Schönen’ und ‚Reichen, das für viele zum Ziel wird oder zumindest erstrebenswert erscheint. Ein solches Leben im Scheinwerferlicht, das bei uns nur als Spot ankommt, verbinden viele mit der Leichtigkeit des Seins und eben diese Leichtigkeit wird oftmals mit Mühelosigkeit gleichgesetzt. Für viele erscheint eine öffentliche Karriere als erstrebenswert, weil sie das (absolute) Glück und ewige Lächeln verspricht. Öffentliche Aufmerksamkeit wird mit Anerkennung gleichgesetzt und kreischende Fans werden zum Familien- oder Freundesersatz stimuliert. Diese beträchtliche Zahl der Menschen, die ins Rampenlicht streben sehen wir in Castingshows der Fernsehsender, ob talentiert oder nicht. Menschen, die in die Öffentlichkeit streben sehen wir in Talkshows, Doku-Soaps oder anderen Fernsehformaten. Ob mit oder ohne Talent, ob mit einem inneren Anliegen oder nur auf Partnersuche, immer neue Formen um der vermeintlichen Berühmtheit näher zu kommen gibt es. Häufig ist diese Form der Aufmerksamkeit nur temporär, doch auch wenn diese Unterhaltungsmaschinerie die Staranwärter auf den Berg der Verschlissenen entsorgt, dann werden davon einige noch einmal im Dschungel am Ende der Welt recycelt. Nun kann man dieser Form der Unterhaltung nur bedingt Vorwürfe machen, denn allem Anschein nach verfügen sie über ein beträchtliches Reservoire an Menschen, die den Scheinwerfern entgegen streben.

Doch was sagt das über unsere Gesellschaft aus, dass bei vielen, oft jungen Menschen, dieser Drang nach öffentlicher Anerkennung allem Anschein nach so riesig ist? Ist es die scheinbare Mühelosigkeit zu mehr Geld zu kommen, als der Normalverdiener? Wertet sich das eigene Ich bei donnerndem Applaus entscheidend auf? Oder werden hier nur Allmachtsphantasien ausgelebt? Schon kleine Mädchen spielen Prinzessin und verkleiden sich um sich im Spiel die Note der Besonderheit zu verleihen. Kleine Jungen werden zu heulenden Indianern um Kraft, Stärke und Überlegenheit zu demonstrieren. Das sind durchaus wichtige Phasen einer kindlichen Entwicklung, als Vorbereitung auf die verschiedensten Rollen des Lebens, die so auf uns zu kommen können. Doch bleiben die Kinder ja nicht in diesem Spielstadium hängen, wie Rauschgiftsüchtige auf einem Trip. Nein, sie entwickeln sich weiter und lernen im Vertrauen auf sich selbst ihre Stärken und Talente kennen und damit auch die Möglichkeiten ihren Weg ins Erwachsenenleben zu erahnen. Doch allem Anschein nach sind die gesellschaftlichen Aussichten für einige wenig erstrebenswert, um das eigene Ego in seiner Mannigfaltigkeit zu befriedigen. Der Schul- und Ausbildungsweg verheißt, auch bei guten Noten, keine Sicherheit in zukünftigen Berufen. Die Arbeitwelt diktiert dem Einzelnen und humanistische Gesichtspunkte werden dem Profit geopfert. Dies sind nicht die Aussichten, das Selbstwertgefühl zu steigern und so wird der um Anerkennung heischende Mensch sich anderer Felder bedienen müssen. Da gibt es den Rückzug ins Private, wenn das gesellschaftliche Leben einem nicht das gibt, das man vermeintlich benötigt. Doch auch dieser Rückzug birgt Gefahren, denn (fast) jeder trägt ein Idealbild des familiären Lebens in sich und an solchen Gradmessern scheitern viele Beziehungen, ob in der Partnerschaft oder im Freundeskreis.

"Ohne Zugang zum eigenen Ich kann man auch keinen Zugang zu anderen finden."  Anne Morrow Lindbergh  Natürlich ist es wichtig für jeden von uns seinen Weg zu finden und diesen auch gehen zu können. Doch wäre es nicht gut, auch auf unser Umfeld zu schauen und uns so in Achtsamkeit selbst zu entfalten? Denn ausschließlichen im Ich zu agieren kann zur scheinbaren Erfolglosigkeit und oder zur inneren Einsamkeit führen. Uns zum Wir zu öffnen gibt uns die Chance uns zu spiegeln, auch wenn die wir dann auch auf nicht so positive  Anteile in uns stoßen, so kann auch dies uns weiter bringen. Im Wir können wir auch das Gefühl von Bedeutungslosigkeit verlieren, denn die Aufmerksamkeit des Gegenübers zeigt uns unsere ‚Wichtigkeit’ an. So sind wir davon entbunden uns mit dem angeblich idealen Leben anderer zu vergleichen und uns unserer eigenen Bedeutung im gesellschaftlichen Konsens bewusst werden. Das Wir schenkt uns die Wärme und die Kraft auch in kälteren Bereichen des Lebens zu bestehen. Ja, und wenn wir so gestärkt durch Leben gehen, werden wir zum Star unseres eigenen Lebens und müssen da auch nicht rausgeholt werden.

Bild 1: Luxuslimosine – Quellle: jesus.ch · Bild 2: Zauberhafte Kinderwelt – Quelle: richter-fleischwaren.de · Bild 3: Gemeinsam – Quelle: christ-online.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.