Braucht Mama ❦ einen eigenen Tag ?

 

So ein Muttertag kann eine anstrengende Sache sein, denn zum einen entsteht da oft eine Erwartungshaltung auf beiden Seiten, die der Mutter und die der Kinder. Da sollen manche Mütter tiefenentspannt ‚ertragen’ wenn in der Küche mit lautem Trara ein Frühstück zubereitet wird, andere Mütter gehen selbst in die Küche und bereiten das Morgenmahl, mangels kindlicher Bewohner, denn diese sind längst aus dem Haus. Die einen bekommen selbst gebasteltes, die anderen große oder kleine Blumengebinde und manchmal ist auch ein Gedicht dabei oder doch wenigstens eine Karte. So ist dieser zweite Sonntag im Mai voller Vorfreude oder auch Anstrengung, je nachdem aus welcher Perspektive das so gesehen wird. Doch warum haben wir einen solchen Tag, der sich so auf die Mütter fokussiert? Seit 1914 ist der Muttertag in den USA ein nationaler Feiertag und diese Idee schwappte, wie so vieles über den großen Teich und nach einer großen Werbekampagne der Blumenhändler im Jahre 1922, die unter dem Titel ‚Ehret die Mutter’ lief, hat sich auch bei uns in Deutschland, wie auch in anderen Ländern Europas, der Muttertag etabliert. Nun könnte man meinen, dass dieser Muttertag ja nur einen Teil der Frauen betrifft, die halt Mütter sind, doch da wir ja alle ‚Kinder’ sind, also eine Mutter haben, so betrifft uns dieser Tag alle. Natürlich haben wir alle idealisierte Bilder von der Mutter im Kopf und vor allen Dingen auch im Gefühl, doch dieses Bild hat oftmals nichts oder wenig mit der Realität zu tun. Denn aus einem lebenslustigen Mädchen wurde eine selbstbewusste Frau und diese wurde, so ganz ohne Ausbildung dahingehend, zur Mutter. Sie muss und musste in diese Rolle hinein wachsen, denn es war ihre Mutterschaft, mit all ihren Fehlern und auch wahrlich guten Seiten, doch halt eine ganz individuelle Rolle, die eine Mutter da auf sich nimmt. Dann gibt es die Mütter, die die Zeit der jungen Frau einfach mal übersprangen und gleich nach der Mädchenzeit zur Mutter wurden, auch für sie war das nicht immer das gelbe vom Ei, denn auch ihnen bleibt der Weg ins eigene Erwachsenwerden nicht erspart. Ja, und dann gibt es noch die Frauen, die wenig gewollt schwanger werden, manche übernehmen ihre Mutterschaft und andere können mit dieser Rolle weniger anfangen. So ist zwar die immer liebende, fürsorgliche, sich aufopfernde Mutter ein vielleicht erwünschtes Bild, doch die Frau, die zur Mutter wurde, wird und muss ihre eigene Rolle dahingehend finden. Ob sie dafür auch genug Unterstützung findet ist nicht immer sicher, doch eins ist sicher, der überaus hohen, ja, überhöhten Erwartung an eine Mutter kann kaum eine Frau heranreichen. Sollten wir also den Muttertag als einen Anerkennungstag betrachten? Ja, warum nicht, Leistungen anderer anzuerkennen und ihnen mit Achtung zu begegnen kann nie schlecht sein. Doch dann wären an diesem Tag, all die Gefühle, die Herzen und die reizenden Blumengestecke wenig angebracht, also ist so ein Muttertag doch mehr als nur eine Anerkennung. Es ist das Gefühl der tiefen Bindung zwischen Mutter und Kind, das wie eine verlängerte, unsichtbare Nabelschnur, auch über den Tod hinaus, vorhanden ist. Dieser Faden ist auch dann vorhanden, selbst wenn die Gefühle zueinander gar nicht so positiv sind und sich darin einige Knoten befinden. Erkennen wir aber ganz bewusst dieses Band zu der Mutter und nehmen es als lieb geworden an, dann bleibt die Frage im Raum, brauchen wir nun einen ‚ausgerufenen’ Muttertag so einmal im Jahr? Ich als Mutter sage da ganz entschieden ‚Nein’, denn wenn mein ‚Ableger’ nur einmal im Jahr an mich denken würde, na, dann wäre es um unser gemeinsames Band doch wenig gut bestellt.

Was ich mir aber als Mutter, Großmutter, Frau und Bürgerin dieses Landes wünschen würde ist ein Feiertag für die Kinder. Nicht nur ein ausgerufener ‚Tag des Kindes’, der wenig Beachtung findet, sondern ein Feiertag einer ganzen Gesellschaft über die Kinder, die mit uns und unter uns leben. Ein Ausdruck von Freude über Kinder und ihren Bedürfnissen. Ein Kinderfest im ganzen Land, auch zur Freude von Vätern, deren wichtige Rolle heute hier wenig Würdigung erfuhr, und natürlich zur wahrlichen Freude der Mütter.

"Kinder müssen wir werden, wenn wir das Beste erreichen wollen."  Philipp Otto Runge

Nun es ist Muttertag und da darf ich mir so etwas wünschen, obwohl ich weiß, dass Wünsche nicht immer in Erfüllung gehen, aber vielleicht gibt es noch einige, die sich ähnliches wünschen, müssen ja nicht alle ‚Mutter’ sein …

Bild 1 : Muttertag – Quelle: blumen-verschicken.net · Bild 2: Muttertagsfrühstück – Quelle: phone-soft.at · Bild 3: Bunte Bänder – Quelle: 123rf.com · Bild 4: Kindertag – Quelle: ytti.de

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