Arbeit • Job • Beruf • Macht dich das aus???

Lernt man jemanden kennen und dabei kommt es gar nicht darauf an, wo, wann oder wen man da kennen lernt, ob das eine tiefere Begegnung ist oder das Treffen eher oberflächlicher Natur ist, denn früher oder später kommt man an den Punkt an dem man entweder selbst fragt oder der andere einem ungefragt mitteilt, was das Gegenüber denn so beruflich macht. Tja, und Rumms öffnet sich meistens eine Schublade in die man sein Gegenüber packen kann. Denn wir definieren unsere Begegnungen häufig über den Beruf, der meistens auch eine soziale Stellung innerhalb der Gesellschaft definiert, und so denken wir all zu schnell, wir könnten nun unsere neue Bekanntschaft einschätzen. Natürlich wissen wir, dass eine berufliche Qualifikation nichts über den Charakter eines anderen aussagt, doch solche ‚Kleinigkeiten’ werden leicht beiseite geschoben, überhaupt dann wenn es sich um einen gesellschaftlich ‚angesehenen’ Beruf handelt. Wenn man bedenkt, dass es nur um den Kenntnisstand der berufliche Ausbildung geht, der da zur Beurteilung herangezogen wird, so ist das doch insgesamt ein recht magerer Grad der Einschätzung anderer, doch gerade dieser wird immer wieder herangezogen. Nun ist diese Einschätzung anderer nicht gesellschaftlich homogen, denn in einigen Kreisen sind Intellektuelle wenig angesehen, in anderen Kreisen dafür mehr, so ist das dann auch umgekehrt, dass Handwerker oder Fabrikarbeiter je nach Gruppe auf die er trifft, mal gut mal weniger gut angesehen wird. Eins aber ist gewiss, über die berufliche Tätigkeit wird der Mensch be- beziehungsweise gewertet. Da dies meistens in unserer Gesellschaft so gehandhabt wird, ‚bewertet’ sich der Mensch auch häufig selbst über sein Tun und nicht über sein ganzheitliches Sein. Ganz besonders schlimm ist es dann, wenn der Mensch ohne Arbeit ist, was nichts über seine berufliche Qualifikation aussagt, dann nämlich stellt er sich selbst schon an den Rand der Gesellschaft, diese tut dann ihr übriges, im freundlichsten Sinne durch Nicht(be)achtung. Dies alles sind gesellschaftliche Einschätzungen, denen man sich zwar schwer entziehen kann, doch im Zweifelsfalle  entziehen muss. Denn Arbeit als solches müsste von jedem neu definiert werden, um gesellschaftlich zu neuer Wertung zu kommen. Da gibt es Mütter, die ihre Kinder erziehen; den Haushalt managen; dann den Mann, der seinen Vater hingebungsvoll pflegt, den Jugendlichen, der eine Tierpatenschaft gewissenhaft übernimmt; oder die ältere Dame, die in Kindergärten oder Schulen, Kindern vorliest. Diese Beispiele könnten endlos weitergeführt werden, doch gehen diese Menschen eventuell keiner Erwerbstätigkeit nach, warum auch immer, doch könnte man ihnen nicht nachsagen, dass sie nichts tun. Nur wird dieses Tun gesellschaftlich weniger anerkannt, obwohl es sich gerade um Tätigkeiten für eine funktionierende Gesellschaft handelt. Somit ist also davon auszugehen, dass es nicht ausschließlich die berufliche Qualifikation ist, die gesellschaftliches Ansehen hervorruft, sondern das damit verbundene Einkommen. Das hieße im Umkehrschluss, das der Mensch wahrlich be-wertet wird. „Ob man den Beruf nur ausübt, um Geld zu verdienen, oder ob die Arbeit Freude bereitet, weil man sie sinnvoll findet, entscheidet, ob man Sklave oder König ist“, sagt Max Lüscher. Wäre es dann nicht viel besser, unsere Kinder zu fragen, was würde dir denn Spaß machen zu tun, um dann ein entsprechendes Betätigungsfeld zu finden? Wäre es nicht aufbauend, wenn der Arbeitgeber seine Mitarbeiter motiviert, mit Freude und dem daraus resultierendem Elan, ans Werk zu gehen? Würde es eine Gesellschaft nicht bereichern, wenn jeder seinem Talent entsprechend eingesetzt würde? Nun können wir uns natürlich noch in weitere Phantasien versteigen um ein wahrlich paradiesisches Arbeiten zu kreieren, doch das ginge an den Realitäten völlig vorbei. Das heißt aber nicht, sich mit dem Ist-Zustand resignierend abzufinden, sondern es hieße erst einmal die eigene Wertskala zu überprüfen. Hier wäre eine ehrliche Analyse wichtig, denn nur jeder selbst kann für sich ehrlich beantworten, ob auch er Menschen nach Beruf und Einkommen wertet. Wenn man das tut, nun das ist so lange nicht schlimm, so lange man sich dessen bewusst ist und man jeden Menschen so annimmt kann wie er ist, nicht unbedingt was er ist. Nun, und wenn man dies bis dahin nicht überdacht hat, so ist es nie zu spät, sich gedanklich neu zuorientieren. Tja, und wenn wir dann schon dabei sind und selbst zu überdenken, dann können wir ja mal schauen, ob wir das was wir tun auch gerne mach, so Tag ein Tag aus. Wer das für sich mit ja beantworten kann, nun, der darf sich glücklich schätzen. Doch wer diese Frage nur bedingt mit ja beantwortet, nun der kann doch mal hinschauen, ob er sich nicht neu orientieren sollte. Natürlich ist das leichter gesagt als getan und auch stehen dem die Zwänge des Alltags oft entgegen, doch wenn man seine Träume auch nur im Ansatz leben möchte, dann findet man einen Weg für sich selbst. Und da sind die Wege mannigfaltig wie wir  selbst, man kann einer sinnleeren Arbeit ein inhaltsreiches Hobby entgegensetzen, man kann sich eine andere Position innerhalb seiner Arbeitswelt erarbeiten, tja, oder man bricht mal ganz aus und versucht sich neu zu definieren. Nicht davon ist eine einfache Lösung, doch wie sagt man so schön: „Der Weg ist das Ziel …“ Wie auch immer unsere Wege aussehen, auch wenn sie manch Umweg beinhalten, an uns selbst zu arbeiten, nun, das ist eine wirklich erfolgreiche Arbeit, denk ich … 

Bild 1: Anerkennung – Quelle: gewaltfreierleben.de · Bild 2: Wege finden – Quelle: premium-verkehrsrecht.com

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